Baita Aleccio

Wohnen · Bergwelt · Archiv

Baita Aleccio

Ein Berghaus von 1996, das Charakter, Funktionalität und Aktualität vollständig bewahrt hat.

Innenraumprojekt
Das Projekt

Ein Projekt aus dem Jahr 1996

Wie die Bestandszeichnungen deutlich zeigen, handelt es sich um ein jahrhundertealtes Gebäude mit den typischen konstruktiven Merkmalen der bäuerlichen Architektur, die in den Ossola-Tälern weit verbreitet ist. Eine Sanierung in diesem Kontext verlangt große Sorgfalt, damit die tiefe Beziehung zur Umgebung nicht zerstört wird und das Gebäude zugleich an die Bedürfnisse des modernen Menschen angepasst werden kann. Natürlich bestehen technische und verbindliche Parameter, die Entwurfsgrenzen setzen. Ihnen muss man auf möglichst intelligente Weise entsprechen, ohne sich von ihnen beherrschen zu lassen. Die einzige radikale, im Grundriss sichtbare Veränderung war der Abbruch des westlichen Anbaus, der zuvor als Holzschuppen diente, und seine anschließende Einbindung in den Hauptkörper als Badezimmer für das Erdgeschoss. Durch die Beibehaltung derselben Dachneigung fügt sich der neue Teil harmonisch an. Der gesamte oberirdische Aufbau sowie die vorhandene Holzbalkendecke im Erdgeschoss sollten abgebrochen werden. Beim Wiederaufbau sollten die vorhandenen Materialien möglichst wiederverwendet und die notwendigen Verstärkungen unsichtbar oder nahezu unsichtbar ausgeführt werden.

Baita Aleccio — Bild 01
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Baita Aleccio — Bild 02
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Baita Aleccio — Bild 03
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Entwurfsgrundlagen – März 1996

Ein Projekt aus dem Jahr 1996.

Ein Berghaus am Rand der Welt vor einer grenzenlosen Landschaft. Selbst heute, fast dreißig Jahre nach seiner Fertigstellung, zeigt es weder innen noch außen Spuren der Zeit. Die Sorgfalt, mit der die Eigentümer die Räume erhalten haben, ist außergewöhnlich; die Möbel wirken noch immer neu. Auch Räume und Oberflächen sind vollkommen aktuell, weil ich schon damals – meiner natürlichen Arbeitsweise entsprechend – auf modische oder extravagante Entwurfsideen verzichtet habe. Der Luxus der Zeit, umgeben von Komfort, Frieden und Ruhe in den Bergen.

Baita Aleccio — Bild 04
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Baita Aleccio — Bild 05
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Technischer Bericht – März 1996

Von außen nach innen betrachtet war es am selbstverständlichsten, das Trockenmauerwerk der Außenwände zu erhalten und sandgestrahlte Lärchenholzfenster einzusetzen. Sie wirken angenehm gealtert, obwohl ihre Konstruktion mit Monoblockrahmen, doppelten Anschlägen und speziellen „Eco“-Verglasungen ausgesprochen zeitgemäß ist. Das Fenster sollte als eigenständiges Element hervortreten und ohne Umschweife in den Vordergrund treten. Daher tragen massive Gewände und Stürze aus Serizzo die darüberliegende Mauer.

Auch das Dach blieb mit Steinplatten gedeckt, wenn auch neu ausgeführt und zwangsläufig um Schornsteine für die inneren Kamine ergänzt. Die Dachrinnen sollten aus Holz gefertigt und innen angemessen isoliert werden. Im halb eingegrabenen Bereich, der als Keller dienen sollte, konnte die vorhandene Eingangstür nach sorgfältiger Restaurierung erhalten bleiben. Dieser Raum sollte nur wenig gedämmt werden, damit seine Eigenschaften für die Lagerung von Wurstwaren, Käse und vor allem Wein nicht beeinträchtigt werden. Im oberen Wohnbereich plante ich dagegen eine möglichst wirksame Dämmung: zwei Lagen Dämmplatten, eine 8 cm starke Vormauerung aus Hohlziegeln und vielerorts zusätzlich eine innere Holzverkleidung. Unter sämtlichen Böden liegt eine Dämmschicht; im Dachgeschoss befindet sich zwischen zwei Lärchenschalungen eine Korkmatte, die hervorragend gegen Wärme- und Schallverluste wirkt. Das zentrale Element, das gleich nach dem Betreten des Erdgeschosses den Blick auf sich zieht und die räumliche Qualität wesentlich bestimmt, ist zweifellos die Treppe zum Dachgeschoss. Ein Einzelstück, inszeniert wie ein Star, traditionell im Material und zeitgemäß in der Form – wobei sich die Vorstellung von Form in der menschlichen Tradition durch geschärfte Beobachtung und den intensiveren Kontakt mit anderen kulturellen Zusammenhängen fortlaufend verändert …

Die Trennung zwischen Essbereich und Eingangs-/Kaminzone entsteht durch zwei kleine, aber bedeutende Maßnahmen: einen geschwungenen Schnitt im Boden, der die Idee der Treppe aufnimmt, und einen Materialwechsel – Lärche zur Küche hin, Steinmosaik auf der anderen Seite. Der Boden des Eingangs setzt sich im Bad fort. Dort sollte die Lärchenverkleidung rot gebeizt werden, um den Raum weiter zu differenzieren und noch „wärmer“ zu machen – eine angenehme Empfindung auf ungeschützter Haut. Die Wand hinter der Dusche ließ ich dagegen in Naturstein, um jene wunderbare Beziehung wachzurufen, die Wasser vermittelt, wenn es über den Fels eines Wasserfalls fließt, unter dem wir gern baden würden, vielleicht mit dem geliebten Menschen … Das ohnehin charaktervolle Dachgeschoss wird durch die Kamine in beiden Zimmern zusätzlich betont. Jedes dieser Heizelemente sollte eigens gestaltet werden, mit Blick auf ästhetischen Genuss und praktische Funktion. Die Sandwich-Trennwände enthalten zwischen zwei Lagen Lärchenschalung mineralisierte, nicht brennbare Holzwolleplatten zur Wärme- und Schalldämmung.

Das nach Süden ausgerichtete Hauptschlafzimmer besitzt einen 4 m² großen Balkon mit einem Geländer im authentischen Walserstil. Eine Wand besteht vollständig aus feinem Sichtmauerwerk und wird durch Wandleuchten hervorgehoben. Sowohl im Hauptschlafzimmer als auch im Kinderzimmer und im dazwischenliegenden Bad plante ich Einbaumöbel an den Anschlusswänden der Dachschrägen, um den begrenzten Raum optimal zu nutzen. Die Beleuchtung des gesamten Gebäudes einschließlich der Außenbereiche ist darauf ausgelegt, eine möglichst warme Atmosphäre zu erzeugen, ohne die Helligkeit auf ein für die Augen ungünstiges Maß zu reduzieren. Besonders wichtige Flächen, ausgewählte Möbel und Außenmauern werden jeweils mit geeigneten Lichtquellen gezielt betont. Das Warmwasser wird über einen LPG-betriebenen Gebläsekessel erzeugt; dasselbe Gas versorgt nach Druckminderung aus zwei 25-Liter-Flaschen das Kochfeld. Die gesamte Anlage sollte den Vorschriften des italienischen Gesetzes 46/90 entsprechen. Die in Zeichnung Nr. 3 dargestellte Einrichtung ist lediglich beispielhaft. Jedes Element verlangt eine eigene detaillierte Untersuchung und wird zu einem neuen Entwurfsgedanken, mit all der Sorgfalt, die dieser Vorgang erfordert. Jedes Möbel und jedes Accessoire sollte ein Einzelstück sein und für immer bestehen. Jeder Eingriff, ob Haus oder Küchentisch, verändert den Raum und vor allem die Beziehung, die wir bis dahin zu ihm hatten. Deshalb muss meines Erachtens jede ausgeführte oder geplante Handlung eine tiefe Philosophie besitzen, damit Sie als Auftraggeber niemals an Ihren Entscheidungen zweifeln oder sie bereuen.

Baita Aleccio — Bild 06
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Baita Aleccio — Bild 07
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Credits

Auftraggeber: privater Auftraggeber

Entwurf: Michele Anderlini. Tragwerksplanung: Geom. Carla Vincler – Crodo, VB. Schreinerarbeiten: Falegnameria Anderlini – Baceno, VB. Bauarbeiten: Impresa Edile Sartori – Premia, VB. Metallarbeiten: Officine Mader – Premia, VB. Elektroarbeiten: Locatelli Osvaldo. Realisierungsjahr: 1996

Baita Aleccio — Bild 08
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Baita Aleccio — Bild 09
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